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Mit KI zu arbeiten ist eine Führungsaufgabe

Warum ein sauberer Entwurf nicht automatisch ein guter ist

Von Martin Loretz

Wer mit KI arbeitet, hört auf, nur auszuführen, und fängt an zu führen. Die Maschine liefert einen Vorschlag; ob er taugt, entscheiden weiterhin Sie. Wer ihr keine Richtung und keinen Kontext gibt, bekommt Mittelmass — und merkt es nicht.

Was heisst hier eigentlich Führung?

Drei Dinge, aus meiner eigenen Arbeit. Erstens eine Vorstellung, was am Ende herauskommen soll — nicht «schreib mir einen Text», sondern für wen, in welchem Ton, mit welchem Ziel. Zweitens der Kontext, den nur Sie haben: was im Betrieb schon einmal schiefging, was ein Kunde letzte Woche gesagt hat, was in der Vorlage nicht stehen darf. Drittens das Nachschärfen — der erste Vorschlag ist selten der letzte. Bei mir stehen für wiederkehrende Arbeiten feste Regeln hinterlegt: wie ein Blogbeitrag aufgebaut ist, welche Wörter nie vorkommen, welche Fakten ich nie erfinde. Das erspart mir nicht das Führen. Es macht nur den Anfang leichter, weil ich nicht bei null beginne. Ohne dieses Führen läuft jede KI in dieselbe Richtung: brauchbar, aber austauschbar.

 

Drei Kästen nebeneinander — Ziel, Kontext, Nachschärfen — mit je einer kurzen Erklärung. Pfeile darunter führen in ein dunkles Feld: «Ein Ergebnis, das zu Ihrem Betrieb gehört».

 

 

Und was passiert, wenn niemand führt?

Der Beweis liegt eine Woche zurück. Der Entwurf für «Der Fehler, den keine Maschine sieht» sah sauber aus: klare Sprache, ordentliche Gliederung, nichts, worüber man stolperte. Trotzdem steckten darin zwei Absätze, die fast wörtlich einem Beitrag vom Monat davor glichen. Aufgefallen ist das nicht der Maschine. Aufgefallen ist es mir — beim Lesen, weil mir die Sätze bekannt vorkamen und ich nachfragte, ob das nicht zu ähnlich sei. Erst danach habe ich den Verdacht maschinell geprüft, und er hat sich bestätigt. Die Reihenfolge ist der Punkt: erst der Mensch, der stutzt, dann die Kontrolle. Ohne das Stutzen wäre der Beitrag genauso erschienen — glatt, korrekt, mit zwei Absätzen, die schon einmal dagestanden hatten. Und niemand hätte es bemerkt.

 

Zwei Abläufe untereinander. Oben grau: Entwurf, sieht sauber aus, erschienen. Unten blau: Entwurf, jemand stutzt — rot hervorgehoben —, geprüft, umgebaut.

 

 

Muss ich mich als kleiner Betrieb wirklich darum kümmern?

Nicht immer. Wer KI für einmalige, folgenlose Dinge nutzt — eine interne Notiz, eine Idee für einen Betreff —, kann sie von der Stange nehmen, nichts einrichten und sich nicht weiter kümmern. Geht das Ergebnis daneben, bleibt der Schaden klein. Das ist keine faule Ausrede, sondern manchmal die richtige Rechnung. Sobald aber Ihr Name daruntersteht — eine Kundenmail, ein Text auf Ihrer Website, ein Angebot — ändert sich die Rechnung. Ein übersehener Fehler kostet dann mehr, als die eingesparte Zeit wert war. Der Unterschied ist nicht die Technik, sondern das, was auf dem Spiel steht.

 

Häufige Fragen

Muss ich dafür programmieren können?

Nein. Führen heisst hier: wissen, was Sie wollen, und beurteilen können, ob Sie es bekommen haben.

Kann ich das an eine Agentur abgeben?

Teile davon. Das Beurteilen nicht vollständig — niemand kennt Ihren Betrieb so gut wie Sie selbst.

Reicht ein Abo bei einem Anbieter?

Für einzelne Aufgaben oft ja. Für alles, was Ihren Namen trägt, braucht es zusätzlich jemanden, der gegenliest.

Was ist mit Daten, die den Betrieb nicht verlassen dürfen?

Es gibt Wege, KI einzusetzen, ohne dass Daten das Haus verlassen. Das ist ein eigenes Thema mit eigenen Fragen — dazu später mehr, sauber belegt.

Wenn Sie prüfen wollen, ob in Ihrem Betrieb schon jemand diese Führungsrolle übernimmt?

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