Der Fehler, den keine Maschine sieht
Warum die gefährlichen Fehler heute gut aussehen

Woran KI zuverlässig scheitert, warum man es der Arbeit nicht ansieht — und welche eine Frage Sie Ihrem Dienstleister stellen sollten.
Die gefährlichen Fehler sind die, die niemandem auffallen. Früher war ein Fehler sichtbar: eine schiefe Kante, eine falsche Farbe, ein Text, der aus dem Kasten läuft. Heute ist die Ausführung meistens tadellos — und der Fehler sitzt in der Aussage.
Ein Beispiel aus dem eigenen Haus.
Ein Wort, das monatelang niemandem auffiel
Auf meiner Projektseite zur Solar Agentur Schweiz stehen zwei Illustrationen. Sie zeigen, was aus einer über zwanzig Jahre gewachsenen Website wurde: 247 Datenbank-Tabellen wurden zu 23, die Datenbank schrumpfte von 78 auf 5 Megabyte, über 1100 Seiten wurden automatisiert übernommen.
Die Zahlen stimmen. Ein Wort in der Beschriftung stimmte nicht. Dort stand «zugekauft».
Das war falsch. Es waren Open-Source-Module, einzeln installiert — nichts daran war gekauft. «Zugekauft» klingt nach Lizenzkosten und nach Abhängigkeit von einem Anbieter. Das Problem war ein anderes: viele einzelne Teile, jedes mit eigener Pflege und eigenem Update-Risiko. Ein Wartungsargument, kein Kostenargument. Beides klingt ähnlich, und nur eines trifft zu.
Warum das niemand bemerkte
An den Grafiken war handwerklich nichts auszusetzen. Schrift, Farben, Abstände, Export — jede einzelne Anweisung sauber ausgeführt. Wer sie ansah, sah eine korrekte Grafik. Es gab nichts, worüber das Auge gestolpert wäre.

Genau das ist die neue Fehlerart. In derselben Grafik standen eine geprüfte Zahl und eine ungeprüfte Behauptung nebeneinander, und die Maschine setzt beides gleich sauber. Sie unterscheidet nicht zwischen etwas, das nachgezählt wurde, und etwas, das jemand einmal gesagt hat.

Früher verrieten sich Fehler durch schlechtes Handwerk. Dieser Schutz ist weg.
Drei Prüfungen, die niemand automatisieren kann
Stimmt jede Zahl? Zahlen sind der einfache Teil, weil sie nachprüfbar sind. Wer sie nicht nachrechnet, hat den billigsten Prüfschritt ausgelassen.
Steckt in einem Wort eine Behauptung? «Zugekauft», «führend», «bewährt», «zertifiziert» — solche Wörter sehen aus wie Beschreibung und sind Aussage. Jedes davon muss jemand verantworten können.
Kennt jemand die Wirklichkeit dahinter? Dass das Impressum einer Seite die falsche Firma nennt, dass eine Heckscheibe einen Scheibenwischer hat, der an einer Folie arbeitet — das fällt nur auf, wenn man die Sache kennt, nicht die Datei.
Die Korrektur selbst war übrigens billig: Beide Illustrationen wurden neu gebaut, ein Skriptlauf. Dass Verwerfen fast nichts mehr kostet, ist die eigentliche Neuerung — darüber habe ich in «Von der Idee zum Prototyp an einem Tag» geschrieben. Nur nützt sie nichts, wenn niemand hinschaut.
Was das für Sie heisst
Wenn eine Agentur mit KI arbeitet, ist das kein Mangel — ich tue es täglich. Die Frage ist eine andere. Sie lautet nicht «arbeiten Sie mit KI?», denn die Antwort ist überall dieselbe.
Fragen Sie: Wer hat das gegengelesen — und woran hätte man den Fehler gemerkt?
Wer darauf eine konkrete Antwort gibt, hat eine Prüfroutine. Wer ausweicht, hat keine. Und ohne Prüfroutine bekommen Sie Arbeit, die gut aussieht — was heute nichts mehr bedeutet.
Häufige Fragen
Merkt man einem Entwurf an, dass KI im Spiel war?
Wenn niemand hingeschaut hat, ja — aber nicht am Handwerk, sondern am Inhalt. An Behauptungen, die niemand belegen kann, an Beispielen, die zu glatt sind, an Zahlen ohne Quelle.
Setzen Sie KI in meinem Projekt ein — und erfahre ich das?
Ja und ja. Ich arbeite täglich damit, vor allem beim Bauen von Varianten, beim Umarbeiten vorhandenen Materials und in der Recherche. Was sich nicht ändert, ist die Verantwortung — für das, was am Ende bei Ihnen steht, hafte ich, nicht ein Werkzeug.
Wie oft passieren solche Fehler?
Bei mir mindestens einmal — dieser hier. Ich schreibe darüber, weil ein Dienstleister, der noch nie einen gefunden hat, entweder Glück hatte oder nicht nachgesehen hat.
Sie haben eine Seite, bei der Sie nicht sicher sind, ob alles stimmt, was darauf steht? Ich schaue sie mir an — mit den drei Fragen von oben.
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