← Zurück zum Blog

Von der Idee zum Prototyp an einem Tag

Von Martin Loretz

Warum der erste klickbare Entwurf heute schon nach einem Tag vorliegt, warum die fertige Seite trotzdem Wochen braucht – und woran es tatsächlich liegt.

Der erste klickbare Entwurf liegt heute oft schon nach einem Tag vor. Bis eine typische KMU-Website online ist, vergehen trotzdem vier bis acht Wochen – und die Verzögerung liegt fast nie an der Technik, sondern an den Inhalten. Wer Texte und Bilder bereithält, halbiert die Dauer.

Warum beides gleichzeitig stimmt:

 

Wie lange dauert es, eine Website zu entwickeln?

Umfang Erster Entwurf zum Anschauen Bis online
One-Pager 1 Tag 1 – 2 Wochen
KMU-Website, 3–10 Seiten 2 – 3 Tage 4 – 8 Wochen
Massgeschneiderte Firmen-Website 3 – 5 Tage 6 – 12 Wochen
Onlineshop 4 – 6 Tage 8 – 16 Wochen

Die beiden Spalten messen Verschiedenes, und darin steckt der ganze Punkt. Die erste ist reine Arbeitszeit: aus dem Gespräch heraus etwas bauen, das man anklicken kann. Die zweite ist Kalenderzeit – und die enthält Warten. Auf Texte, auf Fotos, auf die Rückmeldung aus der Geschäftsleitung, auf den einen Termin, an dem alle Zeit haben.

In einer KMU-Website stecken rund dreissig bis fünfzig Arbeitsstunden. Verteilt auf sechs Wochen sind das keine sechs Wochen Arbeit, sondern sechs Wochen, in denen zwischendurch gearbeitet wird.

 

Warum war das früher langsamer?

Der klassische Weg: Gespräch, Notizen, Skizze, Konzept, Mockup, erste Umsetzung. Zwischen der Idee und dem Moment, in dem der Kunde etwas sieht, lagen leicht zwei bis vier Wochen.

 

Derselbe Weg, einmal über Wochen und einmal über Stunden.

Derselbe Weg, einmal über Wochen und einmal über Stunden.

 

Diese Zeit war teuer – nicht in Stunden, sondern weil in ihr Annahmen wuchsen, die niemand überprüfte. Der teuerste Teil eines Projekts ist selten die Umsetzung, es ist das Missverständnis: «Modern und aufgeräumt» heisst für den einen Weissraum und ruhige Typografie, für den anderen grosse Bilder und kräftige Farben. Beide nicken. Drei Wochen später wird der erste Entwurf gezeigt – und einer der beiden schluckt.

 

Was bringt ein Entwurf am ersten Tag?

Er macht das Missverständnis billig. Der Kunde klickt sich durch, und plötzlich fällt der Satz: «Ah – so meinen Sie das. Nein, das gefällt mir nicht.» Das klingt nach einem Rückschlag und ist das Gegenteil. Ein «nein» am ersten Tag ist ein Geschenk — es kostet nichts ausser einer verworfenen Datei.

Bei meinem eigenen Marken-Refresh war es genauso: Wortmarken, Farbwelten und mehrere Startseiten-Varianten in wenigen Stunden nebeneinander statt über Wochen einzeln.

 

Warum sind fünf Varianten besser als eine perfekte?

Das ist die eigentliche Veränderung – nicht die Geschwindigkeit, sondern was mit ihr möglich wird. Ist eine Variante teuer, baut man eine und verteidigt sie. Ist sie günstig, baut man fünf und wählt aus. Aus «gefällt es Ihnen?» wird «welche der drei trifft es besser – und warum?». Die zweite Frage bringt bessere Antworten.

 

Aus «gefällt es Ihnen?» wird «welche trifft es besser – und warum?».

Aus «gefällt es Ihnen?» wird «welche trifft es besser – und warum?».

 

Ist ein Prototyp schon eine Website?

Nein — und das ist die Warnung, die hier zu selten ausgesprochen wird.

Ein Prototyp sieht aus wie eine Website und klickt sich wie eine. Aber ihm fehlen Struktur, Sicherheit, Performance und Wartbarkeit — genau die Arbeit, die man später nicht sieht, aber jahrelang spürt.

 

Was oben steht, sieht man sofort. Was unten steht, spürt man jahrelang.

Was oben steht, sieht man sofort. Was unten steht, spürt man jahrelang.

 

Die Verlockung ist gross, den Prototyp für fertig zu erklären, weil er «doch schon läuft». Ich habe Seiten übernommen, bei denen genau das passiert ist – was zuerst Zeit sparte, kostete am Ende ein Mehrfaches. Der schnelle Entwurf ist ein Werkzeug zum Entscheiden, nicht das Produkt.

 

Was hat KI nicht verändert?

Das Wesentliche ist geblieben. Das Gespräch, in dem ich verstehe, worum es geht. Die Fragen, die niemand gestellt hat. Das Urteil darüber, was weggelassen werden kann. Die Erfahrung, die sagt, dass eine Idee reizvoll klingt, aber in zwei Jahren zur Last wird.

KI hat den Weg von der Idee zum sichtbaren Entwurf verkürzt. Den Weg vom Entwurf zur richtigen Entscheidung hat sie nicht angetastet — der führt weiterhin über Handwerk und über Menschen, die einander zuhören.

 

Was heisst das für Sie?

Sie sehen früher, was Sie bekommen, und zahlen weniger für Missverständnisse. Wenn Sie es eilig haben, liegt der wirksamste Hebel bei Ihnen: Texte und Bilder bereithalten, eine Person benennen, die entscheidet, innert Tagen zurückmelden. Damit wird aus acht Wochen leicht vier.

 

Häufige Fragen

Kann ich eine Website in einer Woche haben?
Einen One-Pager ja. Eine mehrseitige Firmenwebsite realistisch nicht – nicht wegen der Technik, sondern weil Texte, Bilder und Entscheidungen Zeit brauchen.
Was muss ich beisteuern, damit es schnell geht?
Texte oder zumindest Stichworte, Bilder in brauchbarer Auflösung, und eine Person, die entscheiden darf. Das Letzte wird am häufigsten unterschätzt.
Ist der schnelle Entwurf im Preis inbegriffen?
Beim Erstgespräch ja – ich zeige lieber etwas, als lange zu beschreiben. Was daraus wird, ist Gegenstand der Offerte.
Kann ich den Prototyp einfach online stellen?
Technisch oft ja, sinnvoll fast nie. Ihm fehlen Struktur, Sicherheit und Wartbarkeit – Dinge, die man erst merkt, wenn sie fehlen.

Sie haben eine Idee und sind unsicher, ob sie trägt?

Wir müssen nicht wochenlang darüber reden — wir können sie anschauen.

Idee visualisieren lassen →