KI im Webdesign

Werkzeug, Sparringspartner und Gamechanger

Von Martin Loretz

Es gibt Momente im Leben, in denen man innehält. In denen man zurückschaut, bewertet, und dann – mit neuem Blick – nach vorne schaut. Solche Momente sind selten, aber wenn sie kommen, verändern sie die Art, wie man arbeitet. Wie man denkt. Wie man Projekte angeht. Für mich war Künstliche Intelligenz so ein Moment.

Nicht Ersatz – sondern Verstärkung

Ich erinnere mich noch gut an meine erste Begegnung mit KI-gestützten Tools im Webdesign-Kontext. Die Skepsis war da – wie wohl bei den meisten. Wird das die Arbeit entwerten? Wird es generisch, austauschbar, seelenlos? Die Antwort, die ich heute geben kann, ist ein klares Nein. Aber nur, wenn man KI richtig einsetzt.

KI ist kein Autopilot. Sie ist ein aussergewöhnlich leistungsfähiges Werkzeug in den Händen von jemandem, der weiss, was er damit anstellen will. Wie ein Hobel in der Hand eines erfahrenen Schreiners – es kommt nicht auf das Werkzeug allein an, sondern auf das Handwerk dahinter.

Was KI konkret verändert hat

Die Möglichkeiten, die KI im Bereich Webentwicklung und Applikationsbau eröffnet, sind beeindruckend – und sie wachsen rasant. Was früher Tage dauerte, ist heute in Stunden machbar. Was früher ein grosses Team erforderte, kann heute von einer erfahrenen Einzelperson mit den richtigen Tools gestemmt werden.

Konkret bedeutet das für mich: Ich kann Ideen schneller prototypen und direkt im Gespräch mit Kunden visualisieren. Ich kann Texte, Strukturen und Konzepte in einem Bruchteil der Zeit entwickeln, die ich früher gebraucht hätte. Ich kann komplexe Funktionen – von Spendenbuttons über Anmeldeportale bis hin zu interaktiven Elementen – effizienter umsetzen, ohne dabei an Qualität einzubüssen. Im Gegenteil: Die gewonnene Zeit fliesst direkt in die Dinge, die wirklich zählen – in das Gespräch mit dem Kunden, in die gestalterische Qualität, in die Liebe zum Detail.

KI als kreativer Sparringspartner

Was mich am meisten überrascht hat, ist nicht die technische Effizienz von KI – sondern die kreative Dimension. KI ist ein erstaunlich guter Sparringspartner. Sie stellt Fragen, die ich mir selbst vielleicht nicht gestellt hätte. Sie liefert Impulse, die ich aufgreife, verwerfe oder weiterentwickle. Sie hilft mir, aus meiner eigenen Denkblase herauszutreten.

Das bedeutet nicht, dass KI die kreativen Entscheidungen trifft – das tue ich. Aber sie erweitert den Horizont. Und das ist, gerade in einem Bereich wie dem Webdesign, wo Differenzierung entscheidend ist, Gold wert.

Transparenz als Prinzip

Ich habe mich entschieden, offen damit umzugehen, wo und wie ich KI einsetze. Bei manchen Projekten kommt sie durchgängig zum Einsatz – bei anderen nur punktuell, etwa für einen spezifischen Button, einen Text oder eine technische Funktion. Diese Transparenz ist mir wichtig, denn sie ist Teil meines Selbstverständnisses als Webdesigner: Ich liefere das beste Ergebnis für meine Kunden – mit allen Mitteln, die mir zur Verfügung stehen. Und KI gehört heute ganz klar dazu.

Ein neues Kapitel

Die Digitalisierung hat das Handwerk des Webdesigns in den letzten Jahren tiefgreifend verändert – und KI ist der bisher grösste Schritt in dieser Entwicklung. Ich bin überzeugt, dass diejenigen, die dieses Werkzeug zu nutzen wissen, in den kommenden Jahren einen entscheidenden Vorteil haben werden. Nicht weil sie weniger Arbeit leisten – sondern weil sie klüger, schneller und gezielter arbeiten können.

Ich freue mich darauf, diesen Weg weiterzugehen. Mit bewährten Kunden, die mir seit Jahren vertrauen. Und mit neuen Projekten, die zeigen, was heute möglich ist.

Die Reise geht weiter – und sie wird spannend.